Dienstag, 9. Januar 2018

[Rezension] Der Serienkiller, der keiner war - Dan Josefsson

Titel: Der Serienkiller, der keiner war und die Psychotherapeuten, die ihn schufen
Autor: Dan Josefsson

Genre: True Crime
Seiten: 592
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: btb Verlag
ISBN: 9783442715664
Original: Mannen som slutade ljuga - Berättelsen om Sture Bergwall och kvinnan som skapade Thomas Quick (2014)

Preis: 12,00 € (TB) / 9,99 € (ebook)

Bewertung: ★★★★★



Inhalt
Schweden, 1991: Sture Bergwall, ein homosexueller Drogenabhängiger und Kleinkrimineller, wird in die geschlossene psychiatrische Einrichtung Säter nördlich von Stockholm eingewiesen. Dort macht er eine Therapie und wird mit Psychopharmaka behandelt. Im Zuge der Behandlung glaubt er, sich an schlimme Traumata aus seiner Kindheit zu »erinnern« und gesteht, als monströser Serienkiller Thomas Quick mehr als 30 Opfer vergewaltigt und getötet zu haben. Fast 20 Jahr später stellte sich heraus: seine Geständnisse waren frei erfunden. Seine Motive: verschreibungspflichtige Drogen, Geltungsbewusstsein und der Einfluss seiner Therapeutin und deren Zirkel, die glaubten, mit diesem Fall Geschichte schreiben zu können.

Meine Meinung
Ich kann mich nicht erinnern, vor dem Lesen des Buchs schon einmal etwas von dem Fall Quick gehört zu haben. Vielleicht habe ich mal etwas im Fernsehen aufgeschnappt, ohne es wirklich zu registrieren. Aber auf Erinnerungen ist ja ohnehin wenig Verlass, oder?

Jedenfalls wenn man den Therapeuten der Säter-Klinik glaubt, die der festen Überzeugung waren, dass Thomas Quick a.k.a. Sture Bergwall seine angeblichen Mordtaten und sexuelle Übergriffe in seiner Kindheit verdrängt hat. Sture wurde über Jahre hinweg „therapiert“, mit sehr zweifelhaften Methoden und einer Menge Medikamente, die ihn in einen dauerhaft berauschten Zustand versetzten.

Schließlich gestand Sture mehrere Morde und wurde für 8 davon verurteilt. Doch er war unschuldig! Ein riesiger Justizskandal, der durch die Medien ging und viel Aufsehen erregte.

Beim Lesen dieses Buchs dachte ich ständig nur: „Wie konnte das passieren?“ Wie konnte Sture die Polizei und seine Therapeuten so lange an der Nase herumführen und warum haben nicht spätestens die Richter etwas gemerkt? Dabei gab es doch von Anfang an so viele Zeichen dafür, dass da etwas nicht stimmen kann. Die vielen widersprüchlichen Aussagen wären selbst einem Laien aufgefallen, oder?

Der Autor rekonstruiert die Geschehnisse bis ins kleinste Detail. Angefangen bei Stures Kindheit, über seine schwierige Jugend und die Anfänge seiner Kriminalität, bis er schließlich in die Forensik in Säter eingeliefert wurde und die Geschichte ihren Lauf nahm.

Auch das Leben von Margit Norell, die im Hintergrund die Fäden zog, wird gründlich aufgerollt. Manche werden vielleicht von der Fülle der Informationen erschlagen, aber ich konnte mir durch die ganzen Details ein genaueres Bild von Ursache und Wirkung machen. All diese Hintergrundinformationen halfen mir dabei, die unglaublichen Irrungen und Wirrungen nachvollziehen zu können.

Die Umstände, die zu diesem unglaublichen Justizskandal geführt haben, sind so abstrus und komplex, dass man sie kaum glauben mag. Würde man all das in einem Krimi lesen, würde man es als unrealistisch abtun, und doch ist es genau so geschehen.

Ich mag mir kaum vorstellen, welche Arbeit hinter der Recherche und der Auswertung des Materials gesteckt hat – meinen Respekt an den Autor! Er hat es nicht nur geschafft, die Geschehnisse auf sinnvolle und nachvollziehbare Art zu präsentieren, sondern auch eine gewisse Spannung aufzubauen, sodass ich als Leser wie gebannt war.

Fazit
Ich fand das Buch unheimlich spannend zu lesen. Auch wenn ich es oft zu Seite legen musste, um das Gelesene zu verarbeiten, ließ mich der Drang, mehr über die Zusammenhänge zu erfahren, immer wieder weiterlesen.
Stures Geschichte wird mich sicher noch einige Zeit beschäftigen, zeigt sie doch so deutlich, wie leicht Menschen sich manipulieren lassen.

Empfehlen kann ich das Buch jedem, der sich für Psychologie im Allgemeinen oder den Fall Quick im Speziellen interessiert.

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