Freitag, 4. August 2017

[Rezension] Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow - Rainbow Rowell

 

 Titel: Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow
Autor: Rainbow Rowell

Genre: Fantasy, Jugend
Seitenzahl: 528
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: dtv
ISBN: 9783423640329
Original: Carry on (2015)

Preis: 19,95 € (HC) / 16,99 € (ebook)

Bewertung: ★★★★☆




Inhalt:
Simon Snow ist der mächtigste Zauberer, den die Welt der Magie je hervorgebracht hat. Wäre da nur nicht die Tatsache, dass Simon völlig unfähig ist, seine magischen Kräfte zu steuern. Aber dafür ist ja Watford da, das Zaubererinternat. Für Simons Zimmergenossen Baz – Vampir aus angesehener Familie und Simon in freundlichem Hass zugetan – ist er, der Auserwählte, eine wahre Fehlbesetzung. Am liebsten würde Baz den Magie sprühenden Simon mit seinen spitzen Zähnen ein für alle Mal erledigen. Doch dazu kommt es nicht, vorerst zumindest. Denn die verfeindeten Jungs tun sich zusammen, um gemeinsam mit ihrer blitzgescheiten Schulkameradin Penelope den Mord an Baz' Mutter aufzuklären. Für Simon beginnt eine Achterbahn der Gefühle. Und die Welt der Zauberer steht fortan nicht nur in Liebesdingen kopf.


Meine Meinung:
Ich hatte mit diesem Buch wirklich ein paar vergnügliche Lesestunden. Es ist bestimmt nicht perfekt (ich habe auch kleine Kritikpunkte, auf die ich noch näher eingehen werde), aber alles in allem hat es mir wirklich Spaß gemacht, in die Welt von Simon Snow einzutauchen.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Eigentlich kommt so gut wie jede Person darin mal als Ich-Erzähler zu Wort, hauptsächlich aber Simon, Baz, Penny und Agatha. Anfangs fand ich das extrem anstrengend, weil ich mich kaum in eine Person eingefühlt hatte und dann nach wenigen Seiten schon wieder herausgerissen wurde, weil der Erzähler wechselte. Irgendwann gewöhnte ich mich aber an diesen eigenwilligen Stil und die raschen Perspektivwechsel.

Viele bemängeln die Ähnlichkeiten von Simon Snow mit Harry Potter, doch ehrlich gesagt habe ich beim Lesen kaum an die Harry-Potter-Reihe denken müssen. Für mich waren die Ähnlichkeiten eher hintergründig und überhaupt nicht störend. Simon Snow kann als eigenständige Geschichte sehr gut funktionieren. Man muss auch „Fangirl“ nicht gelesen haben, wo Simon Snow als Fanfiction-Figur vorkommt.

Die Welt der Magier, die in diesem Buch beschrieben wird, fand ich ziemlich cool. Vor allem haben mich die Zaubersprüche immer wieder zum Schmunzeln gebracht – was für eine geniale Idee, Kinderreime und banale Sprüche zu verwenden! Einer meiner Favoriten ist definitiv „Have a break, have a Kit-Kat“ xD

Das Buch ist also auch etwas mit Humor zu nehmen, denn vieles wird auch auf nahezu satirische Weise behandelt. Hier ein Beispiel:
„Jeder Zauberer erbt ein Artefakt aus seiner Familie. Baz hat, wie ich, einen Zauberstab; alle Pitches arbeiten mit Zauberstäben. Penny dagegen benutzt einen Ring. Und Gareth eine Gürtelschnalle. (Das ist ziemlich unpraktisch – wenn er zaubern will, muss er immer sein Becken vorstrecken. Er findet das irgendwie kess, alle anderen allerdings nicht.)“ – S. 170

Dazu kommt noch die unglaublich süße Liebesgeschichte. Ich muss zugeben, ich habe an manchen Stellen vor Vergnügen und Entzücken gequiekt und gekichert wie ein echtes Fangirl. Es war einfach mega süß! Wobei ich anmerken muss, dass mir die Liebesgeschichte ab einem gewissen Punkt etwas zu schnell ging. Ich hätte mir da etwas mehr Entwicklung gewünscht, nicht so einen abrupten Sprung…

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Zusammenfassungen. Generell finde ich es nicht schlimm, dass die Geschichte im letzten Schuljahr ansetzt und Simon bereits vieles erlebt hat, wovon der Leser nur nebenbei etwas erfährt. Aber für mich war gerade der Anfang des Buchs etwas zu vollgestopft mit narrativen Zusammenfassungen und Rückblenden. Das wurde schnell etwas langweilig bzw. man hatte das Gefühl, dass die Geschichte überhaupt nicht in Gang kommt. Im zweiten Teil des Buchs (ab Seite 155) wird das aber deutlich besser.

Meine letzte Kritik betrifft die Charaktere. Sie haben mir eigentlich ganz gut gefallen, aber ihnen fehlte das gewisse Etwas. Die Charaktertiefe. Denn obwohl man durch die Ich-Perspektive in jede Figur Einblick hatte, wirkten sie auf mich trotzdem etwas zu eindimensional und oberflächlich.

Diese kleinen Kritikpunkte außer Acht gelassen, hat mir die Geschichte jedoch wirklich viel Freude bereitet. Die Suche nach der Wahrheit, das Finden der Liebe und die magische Welt – all das fand ich wirklich toll.

Das Ende war kein typisches Friede-Freude-Eierkuchen, was ich schade fand, weil ich es mir für die Charaktere gewünscht hätte. Die Stimmung war etwas düster und gedrückt. Andererseits konnte ich das auch nachvollziehen, nach all den Erlebnissen wäre es unglaubwürdig, wenn es alle mit einem Lächeln wegstecken und unbeschwert ihr Leben weiter leben.

Fazit:
Empfehlenswert für Fantasy-Fans, die gerne mal eine nicht allzu ernstzunehmende Geschichte lesen wollen. Bei mir punktet das Buch überwiegend durch Witz und Einfallsreichtum.

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